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Was die russischen Lebensmittelsanktionen Russland brachten

05.08.2017

Drei Jahre nach der Verhängung des Einfuhrverbots für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel aus den USA und den Ländern der EU, das Russland  am 6.8.2014 als Antwort auf die Sanktionen dieser Länder wergen der Ukraine-Krise eingeführt hat, hat man in der russischen Presse die Zwischenbilanz gezogen.

Als Hauptziel der Gegensanktionen wurde der Schutz des russischen Marktes erklärt. Russland hat die Importsubstitution ausgerufen. Seitdem sinkt der Anteil ausländischer Lebensmittel in den russischen Läden. Wie der russische Agrarminister Alexander Tkatschev erklärte, dominieren russische Lebensmittel zum ersten Mal seit vielen Jahren auf dem inländischen Markt. Die Lebensmittelimporte hätten sich fast halbiert. Nach Angaben des russischen Agrarministeriums betrugen 2016 die Lebensmittelimporte 25 Mrd. USD, während im Jahr 2013, vor der Verbotsverhängung  – 43 Mrd. USD.  So insbesondere sanken  die Importe von Schweinefleisch um das Dreifache bis zu 8 %, von Geflügelfleisch um das 2,5-Fache bis zu 5 %, von Gemüse um das Zweifache bis zu 463 Tausend Tonnen. Gleichzeitig ist der Anbau russischer Obst und Gemüse um 30 %, Anlegen von Gärten um das 1,5-Fache gestiegen.

Lebensmittel aus den sanktionierten Ländern wurden teilweise aus den anderen Regionen ersetzt. Die wichtigsten Fleischlieferanten aus Kanada, Deutschland und den USA wurden durch die aus Indien, Chili ausgewechselt. Anstelle Norwegen wurden die Färöer-Inseln der Hauptlieferant von Fischen. Die Fische sind jedoch teurer geworden, der Preis ist von 6 USD/kg auf 10 USD/kg gestiegen. Äpfel werden anstelle Polen aus Mexico geliefert, Apfelsinen – anstelle Spanien aus Argentinien. Käsen werden aus  Weißrussland, Serbien, Chili, der Schweiz, Armenien, Kasachstan, dem Iran geliefert.

Die  Importsubstitution von einigen Agrarerzeugnissen  gelang jedoch bis jetzt nicht. So wuchs z.B. der Import von Milchprodukten um 2,8-Fache im Vergleich zum letzten Jahr. Nichtdestotrotz wächst die staatliche Unterstützung für den Agrarsektor. 2017 hat die Regierung 242 Mrd. RUB (umgerechnet ca. 3,5 Mrd. EUR) zur Verfügung gestellt (2014 – 190 Mrd. RUB, 2015 – 222 Mrd. RUB, 2016 – 223 Mrd. RUB).

Die Verbraucher sind mit der Importsubstitutionspolitik auch nicht wirklich zufrieden. Dies betrifft insbesondere die Preise und die Qualität von Lebensmitteln. Nach Angaben des Statistikamtes sind Preise für fast alle wichtigen Gruppen von Lebensmitteln gestiegen. Im Zeitraum vom Ende 2013 bis zum Juni 2017 sind Fleische und Geflügel um 34,4 %, Milchprodukte um 38 %, Fische um 49,9 %, Käsen um 38,7 %, Obste um 60 %, Gemüse um 46,4 %, Nüssen um 79 % gestiegen. Nach einem Studio betrugen die jährlichen Verluste jedes Russen wegen des Lebensmittelverbots durchschnittlich 4.400 RUB (umgerechnet ca. 60 EUR). Nach Berechnung der Experten eine Auswahl russischer Lebensmittel um 3 % teurer der Auswahl der identischen sanktionierten Lebensmittel.

Die Zentralbank Russlands hält die Verbraucherpreiseinflation überschätzt. Ende Juli 2017 war die wöchentliche Deflation zu verzeichnen. Der Verbraucherpreisindex betrug 99,9 %.

Nach Prognose des russischen Wirtschaftsministeriums soll Ende 2017 die Jahresinflation in Russland 3,8 % betragen.   

 

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