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Russische Presse zum Mord an Nemzov

03.03.2015
Russische Presse zum Mord an Nemzov

In der Nacht auf den 28.02.2015 ist in Moskau russischer Oppositionspolitiker Boris Nemzov erschossen worden. Regierungstreue Politiker sowie Vertreter der parlamentarischen Opposition sind der Überzeugung, dass der Mord als eine feindliche Aktion die Situation im Land destabilisiert sowie nachteilig für die offizielle Macht ist. Alle Höchstbeamte des Landes haben das Verbrechen scharf verurteilt und fordern zur zügigen Erfassung der Mörder auf. 

Der Mord an Nemzov wird auch viel in der russischen Presse kommentiert. 

Die Tageswirtschaftszeitung RBC (RosBusinessConsulting) schreibt, dass die Hauptversion der meisten Beobachter ein Akt des politischen Terrors sei. Mord sei wieder ein Argument im innenpolitischen Kampf Russlands geworden. Heute seien viele verschiedenen Versionen des Mordes zu hören. Die Rückkehr von Morden an Politikern ins Land (wer auch immer hinter diesen Ereignissen stand) sei ein logischer Schritt bei der Verschärfung der öffentlichen Spaltung gewesen, die sich seit letzten Jahren fortsetzt und unter bestimmten Umständen auch droht, in einen Bürgerkrieg zu eskalieren.

Zu den Faktoren, die zu Katalysatoren dieser Verschärfung führten, gehören die Machtwechsel zwischen Putin und Medwedew im Jahr 2011, die massiven Fälschungen bei der Staatsduma-Wahl 2011, die anschließenden Proteste der aktiven Teil der Bevölkerung, deren Forderungen durch die Macht demonstrativ ignoriert wurden. Diese und die anderen Faktoren schufen im Land die Situation des „kalten Bürgerkriegs“.

Der Ukraine-Konflikt 2014-2015, der in einen Bürgerkrieg eskalierte, habe die Schwelle der Toleranz gegenüber politischen Gegnern stark abgesenkt. Es sei möglich geworden, sie durchs Visier zu schauen. 

Vor dem Hintergrund des Informationsterrors gegen die Opposition sowie der Teilnahme radikaler "Aktivisten" am Kampf auf dem Gebiet eines Nachbarstaates sei die Übertragung eines Argumentes wie Mord in das innenpolitische Leben Russlands unvermeidlich gewesen.


In einem weiteren Artikel bezieht sich die RBC auf ihre Quelle im Ermittlungskomitee und schreibt, dass die Version der Ermittler über die Beteiligung von Nationalisten am Mord vorrangig geworden sei. Leiter der Sonderkommission sei General Igor Krasnov ernannt worden, der dank der Ermittlungen von Verbrechen mit nationalistischem Hintergrund bekannt geworden ist (darunterMorde an dem kremlkritischen Anwalt Stanislaw Markelow und der Journalistin Anastasia Baburowa, die die Kampforganisation russischer Nationalesten begangen hat). Diese Version unterstützt auch der Anwalt der Familien von Markelow und Baburowa, Wladimir Zerebenkov. Er meint, dass ein Mord an einem Oppositionspolitiker zum Zwecke der Destabilisierung dem Programm „die Strategie 2020“ entspreche, das Teilnehmer der Kampforganisation unter radikalen Nationalisten verbreiteten.

Die unabhängige Zeitung „Novaja gazeta“ schreibt, dass jetzt zwei Gruppen von Versionen konkurrieren werden. Der ersten Gruppe gehören Verschwörungstheorien mit verschiedenen, einschließlich entgegenstehenden, Variationen hinsichtlich der Täter und Teilnehmer. Die zweite sei mehr systematisch mit dem Hinweis darauf, dass die Tat die natürliche und logische Folge der heutigen Außen- und Innenpolitik geworden ist.

Dann werde sich aber herausstellen, dass das erste Klischee analytischer Weisheit "Wer profitiert davon?", die bereits mehrmals von den gegenüberliegenden Seiten ausgesprochen wurde, nicht mehr funktioniere.

Wenn sich symbolische Morde so natürlich aus der allgemeinen Atmosphäre der Ideologie, Propaganda und der Masseinformation ergeben, werde es nicht mehr so wichtig, wer als der erste ein Tabu gebrochen hat. Es gebe einen Feind, der in der Logik, Ethik und Ästhetik der "verdienten Zerstörung" serviert sei, sowie es gebe seine Schergen und Komplizen.

Metaphern materialisieren sich. Den "besonders begriffsfähigen" und trainierten würde man nicht nahelegen müssen, dass Leader der "fünften Kolonne" schon längst das gleiche verdient haben. Politiker und ihre Unterstützer könnten sich dann aufrichtig und ernsthaft darüber ärgern und den Schaden von einer solchen übermäßigen Begriffsfähigkeit berechnen. Dies werde aber das Ergebnis und seine wichtigsten Quellen nicht ändern.

Die Tragödie liefere das Material für die Prognose für eine mehr oder weniger ferne Zukunft. Entweder das derzeitige Regime ersetze sich durch ein von ihm gepflegtes radikaleres. Oder das sei ein möglicher Vektor der Evolution des heutigen Kurses.  Diese Entwicklung werde jedoch wahrscheinlich zu einem revolutionären Regimewechsel führen; und dieses würde weit weg vom Vegetarismus sein.

Die gesellschaftlich-politische Tageszeitung  „Novye izvestija“ schreibt,  Boris Nemzow sei  in der Weise  getötet worden, damit sich nicht nur Russland, sondern auch die ganze Welt erschütterten. Er sei demonstrativ nur wenige Schritte vom Lobnoe Mesto hingerichtet worden. Dies sei eine gründlich geplante Aktion, eine demonstrative Exekution gewesen. Dies sei eine "Urteilsvollstreckung"  auf dem bekanntesten Plazt  in Russland, eine dreiste Herausforderung an die Macht gewesen.
Wer und für was hat einen der Leader der Opposition am Lobnoe Mesto geopfert? Diese Frage sollen die Ermittler beantworten.

Boris Nemzow habe der Hass getötet. Diesen Hass haben unser Fernsehen, Radio, unsere Propagandisten und Politiker das letzte Jahr entwickelt. Dieser Hass sei von Jägern auf die "fünfte Kolonne" und "nationale Verräter" provoziert worden. Dieser Hass habe uns auf Freunde und Feinde aufgeteilt und gleichzeitig habe sich das Land geteilt. Der Hass sei schrecklich ansteckend und berauschend. Er sei endlos gefährlich für das Land

Fotoquelle: www.112.ua

 

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